Vivobarefoot Motus Strength II im Test

Barfuß im Gym: Vivobarefoot Motus Strength II im Praxistest

Meine Barfuß-Reise begann eigentlich nicht bei mir selbst, sondern bei meinem Sohn. Seine ersten Kinderschuhe waren Barfußschuhe, und ich erinnere mich noch gut, wie skeptisch ich anfangs war: Kann ein Schuh ohne Dämpfung, ohne erhöhte Ferse, ohne das ganze „Stützkonzept“ der großen Marken wirklich taugen? Also habe ich es selbst ausprobiert, erst zögerlich im Sommer mit ein paar leichten Barfußschuhen aus dünnem Papierstoff. Bequem, luftig, unspektakulär.

Der eigentliche Wendepunkt kam aber über eine ganz andere Schiene: meine Knie. Beim Badminton hatte ich nach dem Wiedereinstieg immer wieder mit Knieproblemen zu kämpfen, die abrupten Richtungswechsel, die tiefen Ausfallschritte, der Stop-and-Go-Charakter des Sports gehen ordentlich auf die Gelenke. Klassische Hallenschuhe mit viel Dämpfung und erhöhter Ferse haben das bei mir nicht besser gemacht, eher im Gegenteil. Der Umstieg auf Barfußschuhe hat das Problem dann tatsächlich gelöst. Seitdem bin ich nicht nur überzeugt, sondern auch neugierig geblieben und habe über die Jahre etliche Marken im Alltag und beim Sport getestet. Fairerweise muss ich aber sagen, das ich mittlerweile beim Badminton wieder auf klassische Badminton-Schuhe umgestiegen bin. Im Alltag trage ich aber regelmäßig weiterhin Barfuß-Schuhe.

Vivobarefoot Motus Strength II im Test

Was bislang aber fehlte: ein Barfußschuh, den ich konsequent im Gym tragen kann. Nicht nur für lockeres Mobility-Training, sondern für echtes Krafttraining mit Kniebeugen, Kettlebells und Sled Push. Genau da soll der Vivobarefoot Motus Strength II ansetzen, ein Barfußschuh, der explizit fürs Funktionstraining entwickelt wurde. Ich habe ihn mir genauer angeschaut und um beim klassischen Gerätetraining ausprobiert.


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Vivobarefoot – die Barfuß-Rebellen aus der Schuhdynastie

Hinter Vivobarefoot steckt eine Geschichte, die man erstmal nicht erwarten würde: Die Marke wurde 2012 von den Cousins Galahad und Asher Clark gegründet, beide direkte Nachkommen der berühmten britischen Schuhdynastie Clarks. Statt das Familienerbe klassisch fortzuführen, gingen die beiden den entgegengesetzten Weg: weg von Dämpfung, Stützkonstruktionen und erhöhter Ferse, hin zu einem radikal minimalistischen Konzept.

Vivobarefoot Motus Strength II im Test

Die Idee dazu reicht bis in die frühen 2000er-Jahre zurück, als erste Prototypen mit extrem dünnen, flexiblen Sohlen entstanden. Aufgewachsen sind die Clark-Cousins an der Küste von Bantham in Devon, wo sie als Kinder viel barfuß unterwegs waren, eine Erfahrung, die bis heute als Ursprung der Markenphilosophie gilt. Der offizielle Marktstart 2012 verlief allerdings alles andere als geradlinig: Eine zu ambitionierte Produktion brachte das junge Unternehmen fast in die Insolvenz, bevor man sich strategisch neu ausrichtete und stärker auf Aufklärung über Barfußlaufen und natürliche Fußbewegung setzte.

Warum überhaupt Barfußschuhe beim Krafttraining?

In den meisten Gyms sieht man noch immer vor allem eins: dick gepolsterte Laufschuhe oder klassische Trainingsschuhe mit erhöhter Ferse. Für Cardio mag das seine Berechtigung haben, doch für schwere Grundübungen wie Kniebeugen, Kreuzheben oder Kettlebell-Arbeit ist genau das oft ein Problem, das kaum jemand hinterfragt.

Vivobarefoot Motus Strength II im Test

Der Grund liegt im sogenannten Drop, also dem Höhenunterschied zwischen Ferse und Vorfuß. Ist die Ferse erhöht, kippt das Becken leicht nach vorne, das Knie wandert bei der Kniebeuge stärker über die Zehenspitze hinaus, und die Kraftlinie durch den Körper verändert sich. Bei leichten Gewichten fällt das kaum auf. Sobald aber die Hantel schwerer wird oder die Wiederholungszahl steigt, kann genau diese kleine Verschiebung über die Belastung von Knien und unterem Rücken entscheiden.

Vivobarefoot Motus Strength II im Test

Barfußschuhe wie der Motus Strength II setzen genau hier an, mit einer komplett flachen Sohle ohne Drop. Der Fuß steht so, wie er auch ganz ohne Schuh stehen würde: platt auf dem Boden, mit direktem Kontakt zur Unterlage. Das bringt beim Krafttraining mehrere Vorteile mit sich:

  • Stabilerer Stand: Ohne weiche, hohe Zwischensohle sinkt der Fuß nicht seitlich ein. Gerade bei Kniebeugen oder Deadlifts merkt man deutlich, wie viel fester die Basis ist, auf der man arbeitet.
  • Bessere Propriozeption: Der direkte Bodenkontakt liefert dem Gehirn mehr Information darüber, wie der Fuß gerade steht und belastet wird. Das hilft, die Balance zu halten und Ausweichbewegungen frühzeitig zu korrigieren, etwa wenn ein Knie beim Ausfallschritt nach innen kippt.
  • Natürlichere Kraftübertragung: Die Kraft aus Hüfte und Beinen wird nicht durch eine dicke, dämpfende Sohle „geschluckt“, sondern kommt direkter auf dem Boden an. Das merkt man besonders bei explosiven Bewegungen wie Sprüngen oder Sled Push.
  • Aktivere Fußmuskulatur: Ein enger, stützender Schuh übernimmt viel von der Arbeit, die eigentlich die kleinen Fuß- und Wadenmuskeln leisten sollten. Im Barfußschuh müssen diese Muskeln wieder mitarbeiten, was auf Dauer zu einem stabileren Fundament führen kann.

Das deckt sich übrigens mit meiner eigenen Erfahrung, die ich über die Jahre beim Barfußlaufen im Alltag und vor allem beim Badminton gemacht habe: Sobald der Fuß nicht mehr in einer starren, erhöhten Konstruktion „gefangen“ ist, sondern selbst arbeiten und sich anpassen darf, verändert sich das ganze Bewegungsgefühl. Nur ging es bei mir bislang eben um schnelle Richtungswechsel auf dem Court und nicht um die Frage, ob das Prinzip auch unter der Hantelstange im Gym trägt. Genau das wollte ich mit dem Motus Strength II herausfinden.

Vivobarefoot Motus Strength II im Test

Der Vivobarefoot Motus Strength II im Detail

Auf den ersten Blick wirkt der Motus Strength II fast unscheinbar, ein schlichter, sportlicher Trainingsschuh in meiner Testfarbe Skyway. Er kommt ohne die auffälligen Farbverläufe oder Logos aus, wie man sie von klassischen Gym-Schuhen kennt. Das Obermaterial besteht komplett aus recyceltem Polyester (RPET), ebenso das Innenfutter und die Schnürsenkel. Dazu kommt eine neu konstruierte Zunge, die für einen deutlich sichereren und anpassungsfähigeren Sitz sorgen soll. Der Fuß rutscht beim Schnüren nicht mehr so leicht zur Seite weg. Unter der Sohle setzt Vivobarefoot auf die eigens entwickelte Motus-Strength-Außensohle mit nur 2 Millimetern Basisdicke und 1,5 Millimetern Profiltiefe. Das ist dünn genug für echtes Bodengefühl, aber mit spürbar erhöhten Stollen, die gerade bei seitlichen Bewegungen oder unter Last mehr Grip liefern als ein glattes Barfuß-Profil.

Vivobarefoot Motus Strength II im Test

Auffällig sind zudem die hochgezogenen Seitenwände im Mittelfußbereich, die den Fuß bei lateralen Bewegungen wie Side Steps oder schnellen Richtungswechseln zusätzlich führen, ohne dabei einzuengen. Die Ortholite-Innensohle aus recyceltem PU-Schaum federt kleine Unebenheiten angenehm ab, ohne den flachen, direkten Stand zu verfälschen, den ein Barfußschuh eigentlich verspricht. Mit rund 318 Gramm pro Schuh (Herrengröße 42) liegt er im üblichen Leichtgewichtsbereich für Barfußschuhe. Beim Reinschlüpfen fällt sofort der breite Zehenraum auf, den ich von guten Barfußschuhen erwarte. Die Zehen können sich spürbar spreizen, ohne dass der Schuh gleich zu locker sitzt. Insgesamt hinterlässt der erste Eindruck ein stimmiges Bild.

Vivobarefoot Motus Strength II im Test

Im Praxistest im Gym – und darüber hinaus

Im Gym zeigt der Motus Strength II genau die Stärken, für die er entwickelt wurde. Bei Kniebeugen und Kreuzheben merkt man sofort den flachen, festen Stand. Die Ferse sinkt nirgends ein, das Gewicht verteilt sich spürbar gleichmäßiger über den ganzen Fuß. Ich musste mich weniger aktiv konzentrieren, um nicht ins Vorfußkippen zu geraten. Das ist ein Effekt, den ich aus dicken gedämpften Trainingsschuhen so nicht kenne. Bei Kettlebell-Drills, etwa Swings oder Goblet Squats, sorgen die hochgezogenen Seitenwände im Mittelfuß für zusätzliche Führung, gerade wenn das Gewicht kurzzeitig seitlich ausbricht. Auch beim Sled Push überzeugt die Motus-Strength-Sohle: Die leicht erhöhten Stollen greifen auf der Gummimatte sehr gut, ohne dass der Schuh dabei klobig wirkt.

Vivobarefoot Motus Strength II im Test

Über das Gym hinaus macht der Motus Strength II ebenfalls eine gute Figur, wenn auch mit klaren Grenzen. Als Alltagsschuh für kurze Wege, den Weg zur Arbeit oder Erledigungen funktioniert er dank des geringen Gewichts von rund 318 Gramm und dem atmungsaktiven RPET-Obermaterial überraschend gut. Er ist deutlich unauffälliger als viele klassisch-klobige Barfuß-Sneaker, die Variante in Skyway sieht allerdings schon ziemlich sportlich aus. In der Farbvariante würde ich sie wirklich erstmal nur beim Sport sehen. Aber es gibt noch drei weitere Farbvarianten. Für sportliche Einsätze außerhalb des Krafttrainings würde ich allerdings differenzieren: Auf dem Badmintoncourt, wo ich früher sonst konsequent auf Barfußschuhe setze, ist der Motus Strength II keine gute Wahl. Dafür fehlt die seitliche Stabilität und der spezifische Grip, den reine Hallenschuhe für die schnellen Antritte und Stopps bieten. Aber dafür ist er ja auch nicht gemacht. Für lockeres Lauftraining, Calisthenics im Park oder als vielseitiger Alltags- und Reisebegleiter, bei dem man nicht ständig die Schuhe wechseln will, ist er dagegen eine sehr solide Wahl und deckt damit genau die Lücke ab, die viele reinrassige Gym-Schuhe offenlassen.

Vivobarefoot Motus Strength II im Test

Mir gefällt der Schuh sehr gut und er wird mich jetzt beim Krafttraining dauerhaft begleiten. Wer ebenfalls einen leichten Schuh mit Barfuß-Feeling sucht, kann direkt im Shop des Herstellers ordern. Zum Preis von 170,00 Euro kann der Schuh im Warenkorb landen und kurze Zeit später zu Hause. (Stand der Preise September 2026).

Details findet ihr hier: https://www.vivobarefoot.com/de/motus-strength-ii-mens?colour=Skyway

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