CeBIT 2011: Das Smartphone auf Rädern wird Realität

Über den Bildschirm flimmern die dreidimensionalen Landschaften von Google Earth, der Nachwuchs surft mit dem Webpad durchs Internet, und aus den Boxen schallt das Programm eines angesagten Internetradios: Immer mehr Fahrzeuge rollen als mobiler Hotspot über unsere Straßen – per WLAN und UMTS mit dem Internet verbunden. Welche Möglichkeiten diese „Smartphones auf Rädern“ bieten, zeigt die CeBIT 2011 vom 1. bis 5. März in Hannover.

Der Bordrechner kann sich aus der Daten-„Wolke“ Verkehrsinfos und Filmvideos für die Insassen im Fond oder E-Mails holen. „Durchschnittlich zwei Jahre unseres Lebens sitzen wir im Auto. Diese Zeit kann man nutzen“, erklärt Horst Leonberger, Automotive-Experte der Deutschen Telekom. Von der „Cloud“ profitieren aber nicht nur Autofahrer, sondern zum Beispiel auch Flottenbetreiber: Gemeinsam mit MAN hat T-Systems eine Telematik-Anwendung entwickelt, die automatisch aktuelle Fahrzeugdaten an die Einsatzzentrale und die Werkstatt sendet. Künftig soll die Automobilindustrie laut Leonberger sogar vorkonfigurierte Autos bauen können: „Will der Käufer zunächst auf Extras wie die Klimaanlage oder Dolby-Surround-Anlage verzichten, kann er sie später online aktivieren. Auch die Motorleistung eines Familienautos lässt sich temporär drosseln, wenn beispielsweise der Junior mit frischem Führerschein allein am Steuer sitzt.“ Technisch basiert das Konzept auf leistungsfähigen System-on-Chip-Lösungen, die anders als in gewöhnlichen PCs oder Smartphones den erhöhten Anforderungen im Fahrzeugeinsatz genügen.

Car Communication erfordert neuartige Sicherheitskonzepte
Die geplante Vernetzung der Verkehrsströme birgt freilich auch Gefahren. Unternehmen wie der Essener Sicherheitsspezialist secunet Security Networks zeigen auf der CeBIT, wie in Fahrzeugen höchste Datensicherheit gewährleistet werden kann. Denn im Gegensatz zu einer eingeschlagenen Fensterscheibe ist die Manipulation von Software nicht sichtbar, obwohl die Auswirkungen auf die Fahrsicherheit wesentlich schwerwiegender sein können.

Auch bei der Elektromobilität stehen die Automobilhersteller vor besonderen Herausforderungen: In den intelligenten Energienetzen der Zukunft soll nicht benötigter Strom in Elektroautos zwischengespeichert werden. Um solche Car-2-Grid-Konzepte in die Realität umzusetzen, müssen Fahrzeug und Halter jederzeit identifizierbar bleiben, damit die korrekte Abrechnung der verbrauchten oder in die Netze eingespeisten Kilowattstunden vorgenommen werden kann.

Nachhaltigkeit ist auch ein Schwerpunkt bei den Verkehrsexperten von PTV. „Das größte CO2-Einsparpotenzial verspricht die kontinuierliche Reduktion von Staus in Städten und Kommunen“, betont Boris Wagner, Director Sales Mobility & Telematics Industry. Das Karlsruher Unternehmen zeigt auf der CeBIT das gemeinsam mit ihrem Partner Gevas Software entwickelte „ITS seamless“– ein durchgängiges Angebot intelligenter Verkehrslösungen, das alle Prozesse von Offline- und Online-Datenmodellierung umfasst.

Zum ersten Mal präsentiert sich Ford auf der CeBIT. Die Autobauer zeigen, wie sehr Informationstechnologie das Fahrerlebnis bestimmt. Highlight ist der erstmals einem breitem Publikum zugängliche neue Ford Focus sowie die Connectivity-Plattform SYNC, die Unterstützung, Entertainment und Interaktion bietet. Das große Engagement von Ford beweist auch der Auftritt des CEO Alan Mulally bei den CeBIT Global Conferences.

Spannend dürfte auch die Präsentation des Range Rover Evoque sein, der zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist. Neben den umfangreichen Fahrassistenzsystemen und einer kraftstoffsparenden Stop-/Start-Technik verfügt der neue Range Rover Evoque über einen Touchscreen, über den alle Funktionen des Autos bedient werden können, eine elektronische Einparkhilfe sowie als erstes Auto dieser Klasse ein Dual-View-Fernsehen, das zwei verschiedene Darstellungen bietet: Navigation auf Seiten des Fahrers und Spielfilme auf der Seite des Beifahrers.